Sonntag, 5. Juni 2011
los, mach es nochmal. greife nach meinem handgelenk, drück es so fest zusammen, wie es nur geht. und? merkst du es? bist du jetzt zufrieden? ich weiß, ich bin dünn, nur weißt du es auch? was hast du jetzt davon, dass du meine knochen begutachtest, entlang fühlst oder umgreifst? was möchtest du von mir?
"soll ich meine oma fragen, ob sie für uns am dienstag spagel kocht?" nein. nein. nein. wieso bist du nur so ahnungslos? wieso begreifst du es nicht mal? nochmal werde ich mich nicht erwischen lassen, oh nein, nochmal nicht. du wirst zusehen müssen, wie ich immer weniger werde. du kannst nichts machen. tut mir leid.
"hast du heute schon genug gegessen? und es auch drin behalten?" wann war das? zu lang her. denkst du wirklich, dass würde sich so schnell ändern? nein. verdammt, mach deine augen auf, guck mich an: mir geht es nicht gut und trotzdem denkst du mein lächeln wäre echt. ich zerbreche, gehe kaputt und trotzdem spiele ich vor dir die starke heldin, die mit allen problemen klar kommt. natürlich, fang streit mit mir an, damit komm ich auch noch klar, ich packe mir das einfach noch mit auf meine schulter, welche schon viel zu überfüllt von all den lastern sind. irgendwann werde ich zusammenbrechen unter meiner ganzen last, die ich mit mir rumschleppe. vielleicht bergreifst du ja dann, was mit mir los ist. das problem wird nur sein, dass es dann vielleicht schon zu spät ist. ich weiß du liebst mich und du weißt auch, wie sehr ich dich liebe. liebe mich einfach mit meinen problemen, so wie du es mir schon einmal gesagt hast, mir ins ohr geflüstert hast, als ich tränen verschmiert vor dir stand und nur noch so nach luft schnappen musste, tu es einfach, aber versuche nicht immer und immer wieder mich in eine richtung schieben zu wollen, die ich in der nächsten zeit nicht gehen werde. verstehst du? ich werde diesen weg noch nicht einschlagen. noch nicht. wirklich nicht. find dich damit ab, schatz!
